Deutsch- französisches Studium „International Management“

 
Frauke

Ernste Worte des Schuldirektors zur Begrüßung, eine Art Moralpredigt mit dem Fazit, dass wenn man nicht sofort anfangen würde zu arbeiten, man das Studium in diesen heiligen Wänden sowieso nicht schaffe.

Zum Schluss die Frage in die Menge von 200 jungen Leuten und Studienanfängern: "Wer ist hier Deutscher?" Die paar jungen, weltoffenen und gespannten Deutschen unter uns hoben vorsichtig die Hand, der Chef machte direkt klar:

"DAS sind die Arbeitstiere. Die trinken nicht, sind bei jeder Party die Ersten die gehen, sind morgens die pünktlichsten in der Vorlesung und schreiben die besten Noten" - somit befanden wir uns schon jetzt in einer schwer wieder zu öffnenden Schublade. Die Deutschen... einerseits waren wir Opfer des Klischees, andererseits bewahrheitete es sich am Ende doch...

Das war er nun, mein erster Tag an einer französischen Grande Ecole. Vor einem Monat hatte ich erst erfahren, dass ich mein binationales Wirtschaftsstudium in Frankreich antreten würde. Um mich herum junge Franzosen, die gerade erst vom Lycée kamen, die meisten Pariser, herausgeputzt und schnieke, und Spanier, warmherzig und temperamentvoll. Wir Deutschen, jeder schon reich an mindestens einem Jahr Auslandserfahrung, waren hingegen die "Alten". Nicht, dass wir schon ohnehin ins kalte Wasser geschmissen wurden, ging die erste Woche los mit einer "Introduction au Business".

Aufgabe war, in vorbestimmten Kleingruppen ein vorgegebenes Produkt in einem Land unserer Wahl zu implantieren. Am Ende der Woche war eine Präsentation zu halten sowie ein schriftliches Dossier abzugeben, samt Business Plan, Marketingstrategie, Implantierungs- und Vermarktungskonzept, Werbeflyer usw.

Reich an ersten Erfahrungen der grenzüberschreitenden Kommunikation und Kooperation mit Franzosen und Spaniern im Rahmen dieser ersten, intensiven Gruppenarbeit dachte man sich insgeheim, „jetzt könne einen nichts mehr schocken“. Doch das war erst der Anfang: Die Vorlesungen und der Unterricht, die Gruppenarbeiten, Präsentationen, Hausarbeiten- alles auf Französisch. Und dann zum krönenden Abschluss: 10 Prüfungen innerhalb einer Woche am Ende jedes Semesters.

Bienvenue en France - und herzlichen Glückwunsch zum Losgewinn von 2 Jahren an einer französischen Elitehochschule.

Die Gegenpartie zum elitären Hochschulprogramm: Das Leben in Frankreich!

Eine schöne, kleine Studentenstadt, weitläufige Plätze, auf denen sich viele junge Leute tummeln - schlendern und sich auf den netten Terrassen von den dicht gesäumten Cafés, Bistrots und Restaurants niederlassen. Am Abend ein pique-nique in einer der vielen, schönen Grünanlagen der Stadt, nachts ein Cocktail in einer der vielen Bars- „que demander de plus?“

Und nach gar nicht allzu langer Zeit hatte man sich schnell an das straffe Hochschulprogramm gewöhnt, ist mit dem internationalen Umfeld warmgeworden, hat sich in der Stadt und in sein neues Leben eingelebt, kannte die Supermärkte und die Waschsalons um die Ecke sowie das gewisse Etwas der französischen Mentalität. Bref, man fühlte sich einfach wohl.

Auch die Vorlesungen in Marketing, Management, Analyse et mathématiques financières, Fiscalité, Droit, Comptabilité internationale et de Gestion etc. waren immer wieder ein spannendes Abenteuer.

Ich bin dankbar für 2 wunderbare Jahre in Frankreich und blicke auf einen Auslandsaufenthalt reich an wertvollen Erfahrungen auf persönlicher wie auch auf „beruflicher“ Ebene, auf eine Zeit, die höchst allgemeinbildend, horizonterweiternd und persönlichkeitsformend war. Schlussendlich ist es alles eine Frage der Gelassenheit und des „Sich-drauf-Einlassens“...