Anna,

Da mir die Region und das Leben auf der Insel so gefallen haben, habe ich mich entschlossen, mein Masterstudium auch dort zu absolvieren.

Ich habe letztes Jahr während meines BWL-Studiums für ein Semester am Erasmusprogramm auf La Réunion teilgenommen. Da mir die Region und das Leben  so gefallen haben, habe ich mich entschlossen, mein Masterstudium auch dort zu absolvieren. Ich studiere développement durable et aménagement du territoire, auf Deutsch Nachhaltige Entwicklung und Raumplanung.
Das ganze Studium ist auf Französisch, bis auf einen Kurs in Business English. Am Anfang war es ein bisschen schwierig mitzukommen, aber nach einem Semester ging’s dann eigentlich ganz gut. Allgemein ist das System hier wesentlich verschulter als in Deutschland. Das habe ich in meinem ersten Semester zu spüren  bekommen. Jetzt im zweiten Semester haben wir jedoch viele Projekte, Hausarbeiten und endlich ein richtiges Masterstudium.


Die Profs haben grundsätzlich – gerne – Recht.

Ein Vorteil jedoch sind die kleinen Klassen, da man so eher mit den Profs in Kontakt kommt und so wenn man dann doch mal ein Problem hat, oder wirklich nicht mitkommt, jederzeit das Gespräch suchen kann und sich so eigentlich immer eine Lösung findet.

Wir haben hier alle Fakultäten auf einem Campus, plus Wohnheime, Mensa, Cafeteria, Theater und ganz viele andere Einrichtungen. Wenn man z.B. eine Krankenversicherung braucht, ist hier alles vor Ort. Das Mensaessen ist gar nicht so teuer: Für 3,10€ bekommt man ein Hauptgericht, einen Nachtisch und kann sich eine Vorspeise aussuchen. Ein Kaffee kostet 1€ in der Cafeteria und für 80 Cents gibt’s das Croissant gleich noch dazu. Aber wenn man im Supermarkt einkaufen geht, ist es ganz schön teuer: eine Packung Schinken kostet hier 4€. Wenn man sich ein bisschen anpasst, viel auf dem Markt einkauft, auf Angebote im Supermarkt achtet und seine Essgewohnheiten umstellt auf z.B. Reis, Gemüse und Hühnchen, dann geht’s.

In meiner Freizeit tauche ich gerne.

Während meines Erasmussemesters habe ich hier einen Tauchkurs angefangen. Die Uni bietet unglaublich viele Sportprogramme an, auch in der Natur wie Tauchen, Canoeing, Wandern. Das ist super, weil es von der Uni aus günstig ist,  man neue Sachen ausprobieren kann und es natürlich ganz viel Spaß macht. Eine meiner besten Erfahrungen war, beim Tauchen eine Meeresschildkröte zu sehen, dass man hier die Mangos und Litschis und Maracujas direkt vom Baum pflücken kann und der Sonnenaufgang auf dem Piton de Neiges, dem mit 3.070 Metern höchstem Berggipfel der Insel.
Da das System hier mehr auf Lernen ausgerichtet ist, das heißt ein Studentenleben wie ich es aus Deutschland kenne gibt es eher weniger. Die Studenten die an der Uni wohnen, so wie ich, brauchen mit dem Bus circa 20 Minuten ins Zentrum, da die Uni in einem etwas abgelegenen Stadtteil namens Sainte-Clotilde liegt. Ab 20Uhr abends gibt’s keine Busse mehr, da fehlt einfach die Infrastruktur mit öffentlichen Transportmitteln.


Da es den anderen Studenten, die hier wohnen, aber genauso geht, trifft man sich abends einfach draußen vor dem Wohnheim auf ein Bier, diskutiert, spielt Karten oder Fußball.

Am Wochenende und wenn wir Zeit haben, gehen wir an den Strand, Eis essen oder Wandern in den Bergen. Es gibt einige Internationale Studenten, aber eher aus dem Raum indischer Ozean, aus Madagaskar oder den anderen französischen Überseedepartements. Und natürlich viele Festland-Franzosen. Deutsche Studenten, oder aus anderen europäischen Länder gibt es abgesehen von Erasmus nur wenige.
Meine Lieblingsorte sind Mafate, das ist einer der drei cirques (Talkessel) im Nationalpark. Dort im Naturschutzgebiet gibt es keine Straßen dafür aber eine atemberaubende Natur, die nur darauf wartet entdeckt zu werden. Hier kann man nach einem ordentlichen Marsch wirklich abschalten und sich entspannen. Ansonsten Les Trois Bassins, das sind drei Wasserbecken mit Wasserfall im Westen der Insel, Hier kann man sich in eiskaltem Wasser erfrischen, im Gegensatz zum  Indischen Ozean der mit seinen 29°Grad eher wie eine große Badewanne ist. Und Boucan Canot, ein Badestrand im Westen mit, im Gegensatz zu den Lagunen, richtigen Wellen.
Unbedingt probieren muss man Cari Poulet, das ist eine reunionesische Spezialität und bedeutet so viel wie Curry vom Hühnchen, und  natürlich Rougail Saucisse, eine weitere der vielen Spezialitäten hier, die zusammen mit Linsen und Reis serviert werden. Rougail bedeutet „mit Tomaten gekocht“  und ist unglaublich lecker.
Es ist eine Erfahrung so weit weg zu sein, ganz alleine und alles irgendwie auf die Reihe kriegen zu müssen.

Aber ich würde es auf jeden Fall wieder tun und jedem anderen weiterempfehlen.  Schon allein wegen der Insel, den Menschen, der Natur – und wegen dem warmen Wetter.