Marie,

Nach meinem Abitur habe ich mich entschieden, ein Freiwilliges Soziales Jahr in Frankreich zu absolvieren. Ich habe ein Jahr in einem Altenheim in Châtillon (südwestliche Banlieue von Paris) gearbeitet. Dort habe ich mich um die Pflege und Unterhaltung der Senioren gekümmert.

Als mein Entschluss feststand, habe ich mich zunächst im Internet über die Möglichkeiten informiert. Dort habe ich mehrere Organisationen gefunden, konkret für Frankreich gab es dann zum Beispiel die AWO (Arbeiterwohlfahrt), bei der ich mich schließlich beworben habe. Nach einer Bewerbung per Internet wurde ich zu einem Auswahlgespräch eingeladen. Dort wurde am ersten Tag die Auswahl an Stellen vorgestellt, am zweiten Tag folgte ein kurzes Gespräch, in dem wir den Wunsch für unsere Stelle begründen mussten und unsere Französischkenntnisse abgefragt wurden.

Bevor wir nach Frankreich gegangen sind, hatten wir zunächst noch ein Seminar, in dem uns alles erklärt wurde. Meine Aufgaben waren die Pflege und hauptsächlich die Animation. Für morgens wurden mir zwei ältere Herrschaften zugeteilt, die ich duschen musste. Da ich keine Ausbildung zur Altenpflegerin habe, wurden mir Bewohner zugeteilt, die sich auch selbst noch frei bewegen konnten. Ich habe außerdem das Frühstück verteilt und den Rest des Tages meistens mit Animation verbracht. Vormittags war man mit der Animatrice zusammen.

Wenn zwischendurch noch Zeit war, bin ich oft auch einfach in die Zimmer gegangen und habe die Leute besucht, weil viele sonst ziemlich selten Besuch bekommen und sich darüber sehr gefreut haben.

Wir haben kleine Sachen gemacht wie zusammen Musik hören oder malen, wichtig war einfach, dass wir da waren.

Gute Französischkenntnisse sind auf jeden Fall hilfreich. Am Anfang konnte ich allerdings auch nicht so gut Französisch. Es ist gerade bei der Arbeit mit alten Menschen schwierig, da diese oft leise reden und man Schwierigkeiten hat, sie zu verstehen. Man lernt die Sprache aber recht schnell, dadurch, dass man den ganzen Tag Französisch hört und spricht. Die Hauptanliegen der Bewohner hat man meistens verstanden und die Kollegen haben mir auch geholfen, wenn ich mal nicht weiter wusste.

Ich habe von der Organisation ein monatliches Taschengeld von 290 € bekommen, das Essen und die Wohnung wurden von dem Altenheim gestellt. Wir haben in einem kleinen Haus nebenan vom Altenheim in einer WG gewohnt. „Wir“, das heißt vier FSJler, die alle von meiner Organisation aus in dem Altenheim gearbeitet haben. Das war richtig gut so, wir waren zwar nah dran, hatten aber trotzdem noch ein wenig Abstand. Da wir zu viert waren, haben wir die Arbeit aufgeteilt und uns abgewechselt. Jeweils zwei von uns haben den ganzen Tag, sprich von 8 bis 20 Uhr gearbeitet, und die jeweils anderen beiden hatten frei. Dadurch habe ich, wenn ich arbeiten musste, zwar sehr lange gearbeitet, hatte aber dafür auch ganze Tage am Stück frei. An diesen Tagen bin ich natürlich immer nach Paris gefahren, was echt super war, da man den ganzen Tag in der Stadt zur Verfügung hatte. Wir hatten viel Spaß dort und haben auch viele Museen und Kultur besichtigt, weil das für unter 26-jährige alles kostenlos ist.


Schöne Erlebnisse gab es viele!

Im Altenheim gab es eine ältere Dame, die kaum noch sprechen konnte und fast immer das gleiche Wort gesagt hat. Aber irgendwann hat sie mich angeguckt und hat meinen Namen gesagt, das war richtig toll. Was die Freizeit angeht war die Fête de la Musique in Paris ein echt cooler Tag, wir hatten frei und waren alle zusammen in der Stadt. Und auch wenn Besuch da war, wenn wir verreist sind.. - eigentlich war dieses ganze Jahr ein einmaliges Erlebnis. Ich kann ein FSJ in Frankreich deshalb auf jeden Fall weiterempfehlen! Ich weiß nicht, wie es in einer anderen Stadt gewesen wäre, denn, dass ich in Paris war, spielt schon eine große Rolle.

Ich habe in diesem Jahr sehr viel gelernt, ich würde fast sagen, für mich persönlich mehr als in einem Jahr Studium. Gerade auch das FSJ hat mir viel beigebracht, die Arbeit ist total schön, weil man sofort etwas wieder bekommt und merkt, dass man gebraucht wird.

Leider bietet die AWO derzeit kein FSJ in Frankreich mehr an, Interessierte können jedoch eine umfassende Liste von Organisationen unter diesem Link finden.