Besonderheiten des französischen Hochschulwesens

Der französische Semesteraufbau

Die Semesterferien in Frankreich sind anders gelegt als in Deutschland. Der Semesteranfang findet an den meisten Universitäten zwischen Mitte September und Anfang Oktober statt. Es ist zu beachten, dass ein Studienbeginn immer nur zum Wintersemester, d.h. zum Anfang des Studienjahres (année universitaire) möglich ist. Erasmus-Austausche sind davon ausgenommen. 

Mitte Januar ist das 1. Semester zu Ende. Ein Semester wird immer mit einer Prüfungsphase abgeschlossen. Das 2. Semester findet zwischen Februar und April statt. Im April/Mai ist wieder eine Klausurenphase eingeplant und danach haben die Studierenden „Ferien“ bis zum neuen Wintersemester. An jeder Hochschule variieren die Angaben jedoch. Um die genauen Termine Ihres Studienjahres zu erfahren, schauen Sie auf der Webseite Ihrer Universität unter calendrier universitaire oder calendrier de l’année nach.

Die Lehrveranstaltungen

An französischen Hochschulen, insbesondere an den Universitäten, können zwei Arten von Lehrveranstaltungen unterschieden werden.

Die cours magistraux sind Lehrveranstaltungen, bei denen die Teilnehmerzahl zwischen 100 und 1000 Personen liegen kann. Sie werden in großen Hörsälen gegeben, die als amphithéâtre bezeichnet werden. In Deutschland entsprechen sie also einer Vorlesung bzw. einem Plenum. Der Dozent hält einen Vortrag, den die Studenten mitschreiben. In diesen Lehrveranstaltungen wird oftmals mit Broschüren oder Readern gearbeitet, die von den Dozenten zusammengestellt werden. Sie werden zum Ende der Veranstaltungen ausgeteilt und ermöglichen eine optimale Vorbereitung auf die Klausuren.

Die travaux pratiques (kurz TP) und die travaux dirigés (kurz TD) finden in Gruppen mit beschränkter Teilnehmerzahl statt und sind in Deutschland mit Seminaren oder Übungen vergleichbar. Sie erläutern und vertiefen die in den cours magistraux vermittelten theoretischen Kenntnisse durch konkrete, praktische Anwendungen. Im Gegensatz zu den cours magistraux ist der Besuch dieser Veranstaltungen Pflicht.
In berufsorientierten Studiengängen an den Universitäten (praxisorientierte Licence- und Master-Studiengänge oder Abschlüsse wie DUT) stehen neben den travaux pratiques und travaux dirigés auch Praktika und Ausbildungsphasen in Unternehmen mit auf dem Lehrprogramm.

Prüfungen und Tests

An den französischen Hochschulen existieren zwei unterschiedliche Prüfungsformen:

  • Contrôle continu (Zwischenprüfung). Diese Prüfungen sind auf das ganze Studienjahr verteilt. Sie erlauben eine Anerkennung der Leistungen in allen Unterrichtsfächern.
  • Examen (Examen/Abschlussprüfung). Bei den examens werden die Kenntnisse in allen Unterrichtsfächern innerhalb einiger Tage abgeprüft. Sie finden in zwei Phasen statt, zumeist am Ende eines Semesters.

An den Universitäten sind die Lehrveranstaltungen zumeist in Form von Modulen aufgebaut. Ein Modul ist eine kohärente Gruppe von Lehrveranstaltungen. Der Studienabschluss führt dann die belegten Module auf, die entweder Pflicht- oder Wahlmodule sind. Ein erfolgreich abgeschlossenes Modul gilt als definitiv bestanden. 

Kein akademisches Viertel

Eine Schul- sowie Unistunde dauert 60 Minuten. Es gibt also kein akademisches Viertel in Frankreich. Außerdem können manchmal die Vorlesungen bis zu 3 Stunden dauern.