Erasmus +, France
Linda, France

Im zweiten Studienjahr entschied ich mich für ein Auslandssemester nach Paris zu gehen und bald sind es zwei Jahre, die ich schon in dieser Stadt lebe.
Durch meine Fächerwahl, Germanistik im Haupt- und Romanistik bzw. Französisch im Nebenfach, hatte ich schon immer den Wunsch ein Auslandssemester zu absolvieren. Diese Möglichkeit bot sich mir im vierten Semester. Zunächst war vorgesehen, dass ich nur ein Semester bleibe. Nach den knapp fünf Monaten von September bis Januar, war für mich schnell klar, dass ich noch nicht wieder nach Hause wollte.


Als Erasmus-Studentin an der Université Sorbonne standen mir alle Kurse offen und ich konnte mir problemlos meine gewünschten Kurse auch in Deutschland anrechnen lassen. Das Angebot war vielfältig und die geringe Zahl der Studierenden sorgte für eine entspannte Lernatmosphäre. Nach einer Schnupperwoche, in der ich sehr viele Seminare besuchte, wählte ich schließlich einen Geschichts-, Philosophie- und Literaturkurse. Ein Kurs bestand dann aus einem Seminar, den sogenannten TD (Travaux dirigés) und einer Vorlesung (CM=Cours magistral). Während des Semesters gab es kleine Zwischenprüfungen, in Form von Referaten und Tests und am Ende des Semesters dann die Endprüfungen, die teils mündlich teils schriftlich abgehalten wurden. Als Erasmus-Studentin hat man wie alle anderen Studierenden an den Prüfungen teilgenommen. Das Lernpensum im Vergleich zu Deutschland ist allerdings sehr viel höher, da wirklich in jedem Kurs geprüft wird und es auch nur Klausuren gibt anstatt der üblichen Hausarbeiten.
Je schneller das Semester sich dem Ende neigte desto sicherer war ich mir, dass ich hier bleiben will. Durch das Erasmus-Programm konnte ich noch relativ kurzfristig meinen Aufenthalt verlängern. So hatte ich genügend Zeit die Stadt weiter zu erkunden und meine neu gewonnen Kontakte zu pflegen. Der Sommer und damit auch das definitive Ende kamen leider schneller als erwartet. Zum Glück konnte ich noch drei Erasmus-Monate dranhängen, weil ich einen Praktikumsplatz gefunden hatte. Während des Praktikums kam mir dann die Idee mich an der Uni direkt ohne Austauschprogramm zu bewerben, was gleichzeitig bedeutete, mich in Deutschland zu exmatrikulieren. Das machte mir zunächst natürlich Angst, aber nach einem persönlichem Beratungsgespräch an der Uni, war die Entscheidung gefallen, dass ich meinen Bachelor also die Licence in Paris beenden werde. Und so studierte ich dann ein weiteres Jahr an der renommierten Sorbonne und habe meine Entscheidung nie bereut.


Das Einleben in der Stadt gestaltete sich leider anfangs etwas schwieriger aber mit ein wenig Mut und Offenheit kann man auch das Eis mit den Franzosen brechen. Umso mehr freut man sich im Nachhinein über überwundene Hürden, erledigten Papierkram und neugewonnene Freunde.  Die Angelegenheiten, die man für das alltägliche Leben so braucht (Bankkonto, Metrotickets, Handy, etc.), sind schnell hinter sich gebracht und dann hat man auch die Zeit sich der Stadt mit allen seinen Facetten hinzugeben. Schließlich muss man sich ja auch erst einmal zu Recht finden und die To-do-Liste mit den Orten/Dingen, die man unbedingt noch sehen will, wurde bei mir nie kürzer. Das einzige Manko waren für mich die Pariser Preise. Beispielsweise zahlt man für seine Miete im Schnitt ab 500 € aufwärts, je nachdem wie anspruchsvoll man ist.

Ich habe mich auch jetzt für ein Masterstudium in Frankreich beworben und hoffe weiterhin dort leben und später auch arbeiten zu können.