Erasmus +, Deutschland
Fabian, Deutschland

Auch wenn es eine ziemlich Klischee behaftete Idee von einem Frankophilen ist, wollte ich immer einmal in meinem Leben in Paris gelebt haben. Zeit meines Studiums der französischen Philologie und Germanistik an der Universität Potsdam ergab sich durch die Teilnahme am Erasmus-Programm für mich die Möglichkeit, dieses Vorhaben auch in die Tat umzusetzen.


Die Organisation des Aufenthaltes soll heißen von der administrativen Seite der Universität Potsdam aus gesehen, verlief zunächst sehr gut. Ich bewarb mich für Paris und bekam relativ schnell eine Zusage für einen Studienplatz an der Université Paris Ouest Nanterre La Défense (Paris X). Zuerst war ich natürlich sehr glücklich, dass mein Traum doch wahr werden sollte und begann mit der Wohnungssuche und dem Beschaffen der im Ausland benötigten Papiere. Schnell merkte ich dann aber, dass der Pariser Wohnungsmarkt, um ehrlich zu sein, sehr anstrengend ist. Nachdem ich, grob gefasst, drei Monate lang über sämtliche Internetseiten versuchte, eine Wohnung zu finden und mir die Pariser Universität immer noch keine Rückmeldung gegeben hatte, ob ich ein Zimmer im Studentenwohnheim bekommen könnte, geriet ich allmählich in Panik.  Auch der Druck seitens der Universität Potsdam auf Paris X Nanterre, veranlasste keinerlei Ergebnisse. Glücklicherweise, hatte ich eine Bekannte in Paris, bei der ich für die ersten zwei Wochen unterkommen konnte. Es ist prinzipiell, so meine Erfahrung, am besten, in Paris vor Ort nach einer Wohnung zu suchen.


Ich fuhr also nach Paris und stellte mich im Pariser Erasmusbüro vor, wo man mir zunächst mitteilte, dass man mir leider keine Unterkunft im Studentenheim anbieten könnte, da für das Studienjahr 2011/12 zu viele Erasmus-Studenten für zu wenig Zimmer angemeldet seien. Nach einer Woche sollte ich dann doch Glück haben und konnte ein selbst gefundenes Studio im sechsten Arrondissement beziehen. Von nun an konnte ich endlich beginnen, das Pariser Leben zu genießen und  mich auch auf die Kurse, welche ich an der Universität belegt hatte, konzentrieren.


Dass die Organisation des Studiums an französischen Universitäten anders als die in Deutschland verlief, dessen war ich mir bereits bewusst. Trotzdem war es unglaublich interessant, teilweise genauer und tiefgründiger als bei uns zu Lande, mit meinem Studium der „lettres modernes“ in die französische Literaturwissenschaft einzutauchen. Besonders interessant war es in einigen Kursen mit den Pariser Mitstudierenden vergleichend ein typisch deutsches Referat mit einem anschließenden „exposé à la française“  zu halten. So konnte man sich gegenseitig ganz neue und verschiedene Arbeits- und Interpretationsansätze zeigen.


Durch das Erasmus-Programm, aber auch generell an der Universität, habe ich recht schnell viele Leute kennengelernt und auch einige neue Freunde gewonnen, mit denen ich mein Semester genießen konnte und auch teilweise heute noch in Kontakt stehe.


Das Leben in Paris hat natürlich viele gute Seiten, doch muss ich persönlich sagen, dass es nicht meinem Wunschleben entspricht. Von außen ist Paris eine wunderschöne Stadt und hat sowohl kulturell aus ausgehtechnisch allerhand zu bieten, doch gestaltet sich das alltägliche Leben oft als sehr teuer und stressig. Es ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte und die mir für mein Studium und für mich selbst sehr viel gebracht hat.


Nun möchte ich in meinem Master abermals ein Semester oder zwei in Frankreich verbringen, allerdings in einer anderen Stadt. Allen, die Erasmus in Paris machen wollen, empfehle ich generell, sich vorher über die Kosten bewusst zu werden und im Hinterkopf zu behalten, dass Paris zwar die Hauptstadt ist, sich das französische „savoir-vivre“ aber sehr wahrscheinlich eher in anderen Regionen manifestiert.